Ukraine Mahnwache in Oestrich am 29. April 2022

Unsere stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Marika Prasser-Strith hält die Rede zur Solidaritätsbekundung mit den Menschen der Ukraine

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger von Oestrich-Winkel,

im Namen der Oestrich-Winkeler Stadtverordnetenversammlung, des Magistrats, der Fraktionen und der Kirchengemeinden möchte ich sie zur  heutigen Mahnwache in Oestrich-Winkel begrüßen.

Mein Name ist Marika Prasser-Strith und ich bin seit einem Jahr stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin im Oestrich-Winkler Stadtparlament. Niemals hätte ich gedacht, dass ich wegen eines Krieges in Europa  eine Rede halten muss.

Seit 24. Februar herrscht Krieg vor unserer Haustür , Krieg in Europa, Krieg der weltweite Auswirkungen hat, ein Krieg, den wir alle im 21. Jahrhundert für unmöglich hielten. Gemeinsam wollen wir erneut ein Zeichen der Solidarität mit den vom Krieg direkt betroffenen Mitmenschen in der Ukraine und auch mit allen friedliebenden Menschen weltweit setzen.

Dieser Krieg, begonnen durch den autoritären Machthaber Putin in Russland, hat bereits schreckliches Leid verursacht. Tausenden von Menschen sind ihm zum Opfer gefallen oder haben Verletzungen erlitten. Von dem damit verbundenen seelischen Leiden ganz zu schweigen. Soldatinnen und Soldaten auf beiden Seiten, aber auch in der Zivilbevölkerung, darunter Familien und Kinder. Viele Millionen Menschen sind auf der Flucht und suchen Schutz. Dabei lassen Sie nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihr bisheriges Leben zurück.

Die ganzen Ausmaße des Krieges sind weit über unsere europäischen Grenzen hinaus spürbar. Die Kornkammer Ukraine, deren wichtige weltweiten Getreidebestände nun dem Machthunger Putins zum Opfer fallen, lassen das Leid in vielen afrikanischen Ländern noch größer werden. Getreidepreise steigen massiv an, Grundnahrungsmittel wie Brot werden für viele arme Menschen in Afrika unerschwinglich. Stellen wir uns z.B. die Situation im Libanon vor. Dort sind gut 1,5 Mio Flüchtlinge aus Syrien untergebracht und der Libanon ist bisher auf die Getreideimporte der Ukraine angewiesen.

Für Polen und Bulgarien hat Putin diese Woche die Gaslieferungen stoppen lassen und weitere europäische Länder, auch wir, können kurzfristig davon betroffen sein. Putin hat mit seinem Angriffskrieg Leid über viele Teile der Welt gebracht und die Angst vor atomarer Bedrohung ist bei vielen groß. Der „Kalte Krieg“ der 60er Jahre, der längst vergessen war, ist traurigerweise wieder zu neuer Bedeutung erlangt.

Wir als Demokratinnen und Demokraten stehen gemeinsam für unser Wertegerüst aus Demokratie und Freiheit ein und sind eng an der Seite der Menschen in der Ukraine und den Menschen, die dieser unsinnige Krieg ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Hoffnung macht uns die große Welle der Hilfsbereitschaft im ganzen Land, besonders aber auch hier bei uns in Oestrich-Winkel. Mittlerweile sind rund 100  Menschen aus der Ukraine hier in unserer Stadt registriert und haben Obhut gefunden, liebevoll betreut von Mitbürgern unserer Stadt. 1806 Flüchtlinge sind bisher im RTK registriert. Viele Oestrich-Winkeler unterstützen mit Sach- und Geldspenden, Wohnraum oder Patenschaften. Und vor allem stehen wir zusammen an der Seite der Menschen in der Ukraine, die im Moment eine unfassbar schwere Zeit durchzumachen haben. Dafür möchte ich mich stellvertretend bedanken.

Die Oestrich-Winkeler Bevölkerung bitten wir, weiterhin so hilfsbereit zu sein. Die Menschen aus der Ukraine, die alles zurücklassen mussten, sind auf diese Hilfe angewiesen. Die ersten Heimatvertriebenen sind nun auch in der Notunterkunft in der Geisenheimer Turnhalle untergebracht worden. Informationen finden Sie auf den Homepages der Stadt Oestrich-Winkel und des Rheingau-Taunus-Kreises.

Wir werden unsere Mahnwachen auch in den kommenden Wochen fortsetzen und appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger von Oestrich-Winkel sich hieran zu beteiligen. Bedanken möchte ich mich auch bei den Kirchengemeinden, die sich gemeinsam dazu bereit erklärt haben, unsere Mahnwachen mit einem geistlichen Beitrag zu bereichern.

Ich möchte Sie nun im Anschluss an meine Worte um einen kurzen Moment der Stille in Gedenken an die bisherigen Opfer und alle unter den Folgen des Kriegs betroffenen Menschen bitten, bevor ich im Anschluss das Wort an Pfarrerin Stern-Tischleder übergebe.

Danach endet unsere Mahnwache, Sie sind aber natürlich herzlich eingeladen noch ein wenig gemeinsam zu verweilen.

Die nächste Mahnwache wird wieder an diesem Ort am nächsten Freitag um 18:00 Uhr, stattfinden.

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